| Veranstaltung: | 47. Bundesdelegiertenkonferenz |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | D Dringlichkeitsanträge |
| Antragsteller*in: | Nicolas Scharioth (KV Berlin-Pankow) und 42 weitere Antragsteller*innen (Frauenanteil: 23%) |
| Status: | Antragsteller*innen sammeln (Berechtigung: Eingeloggte) |
| Angelegt: | 26.01.2022, 20:35 |
Selbstverteidigung der Ukraine unterstützen
Antragstext
Wir fordern, dass die Bundesregierung Gesuche der demokratisch gewählten Regierung der
Ukraine zur Sicherung ihrer Verteidigungsfähigkeit insbesondere durch Defensivwaffen
unterstützt und sich auch entsprechenden Hilfeleistungen unserer Verbündeten nicht
entgegenstellt. Ebenso fordern wir, dass die Bundesregierung alle Sanktionsmöglichkeiten
gegen Russland im Fall einer fortgesetzten Aggression auch im Energie- und Finanzsektor
offenhält und vorbereitet.
Begründung der Dringlichkeit
Die Ukraine sieht sich akut einer möglichen Invasion durch Russland ausgeliefert. Etwa 100.000 russische Truppen sind aktuell an der ukrainischen Grenze zusammengezogen worden, wobei dies durch aggressive imperiale Rhetorik gegenüber Ukraine als Land und Kultur durch staatsnahe Medien und hochrangige Regierungsvertreter flankiert wird. Eine finale Entscheidung zur Invasion scheint durch die Machthaber in Moskau noch nicht getroffen zu sein, es verbleibt somit nur noch wenig Zeit, um einen kriegerischen Angriff zu verhindern. Die am 26.01. angekündigte Lieferung von 5.000 Helmen an die Ukraine wird von vielen im Ausland als nicht ausreichend bzw. als Hohn empfunden und verstärkt so die aktuelle außenpolitische Isolation Deutschlands und das Gefühl der Enttäuschung und Entfremdung gegenüber der Deutschland und der EU in der Ukraine. Es bleibt kaum Zeit, um alles zu tun, um humanitäre Verluste in der Ukraine im Falle eines Angriffs effektiv zu verhindern und die Schäden für das Ansehen der EU in unserer Nachbarschaft zu begrenzen.
Begründung
Es muss alles getan werden, um einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu verhindern. Deutschland muss sich für den Erhalt der europäischen Friedensordnung, die Unverletzlichkeit der Grenzen und die nationale Selbstbestimmung aller Länder einsetzen. Darum ist es wichtig, alle diplomatischen Mittel auszuschöpfen und den Dialog aufrecht zu erhalten, gerade auch zu Abrüstungsangeboten und zur Rüstungskontrolle. Sie haben Priorität. Gleichzeitig muss jedes Gesprächsangebot auf der Grundlage effektiver Verteidigungsfähigkeit erfolgen. Die Verhandlungsbereitschaft Russlands dürfte höher sein, wenn der Kreml weiß, dass die Folgen einer Militäraggression nicht beliebig hoch werden können. Durch die Bereitstellung von Defensivwaffen kann diese Dialogbereitschaft gezielt erhöht werden.
Wir dürfen zudem die ukrainischen Bürger*innen nicht schutzlos gegenüber einem möglichen russischen Angriff stehen lassen. Das Recht auf Selbstverteidigung ist ein humanitärer Grundpfeiler des Völkerrechts und der UN-Charta. Dieses gilt es zu stärken.
Nicht zuletzt geht es auch um ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine wie auch mit unseren ost-, mittel- und nordeuropäischen Nachbarn, die sich gerade aus der historischen Verantwortung Deutschlands heraus solche Hilfeleistungen erwarten dürfen. Gerade im Sinne einer wertegeleiteten Außen- und Sicherheitspolitik sollte Deutschland deshalb Gesuche der demokratisch gewählten Regierung der Ukraine unterstützen und sich als verantwortungsbewusster Verbündeter zeigen.
Die Bundesregierung sollte sich deshalb unseren Verbündeten anschließen, die effektive Mitteln zur Selbstverteidigung an die Ukraine liefern. Das Ziel: Wir brauchen Dialog und Härte – dafür muss die Selbstverteidigungsfähigkeit der Ukraine gestärkt werden.
weitere Antragsteller*innen
- Florian Döllner (KV München)
- Alexander König (KV Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf)
- Sebastian Pewny (KV Bochum)
- Michael Merkel (KV Bochum)
- Elmar Gillet (KV Rhein-Erft-Kreis)
- Rebecca Harms (KV Lüchow-Dannenberg)
- Peter Koller (KV Berlin-Neukölln)
- Rainer Emschermann (KV Aachen)
- Marcel Rohrlack (KV München)
- Tilman Eichstädt (KV Berlin-Pankow)
- Tjark Melchert (KV Gifhorn)
- Ruben Joachim (KV Berlin-Pankow)
- Lars Maximilian Schweizer (KV Ludwigsburg)
- Steffen Dobbert (KV NWM/Wismar)
- Monika Katharina Mertens (KV Rhein-Erft-Kreis)
- Tonia Budelmann (KV Berlin-Pankow)
- Tom Aurnhammer (KV Nürnberg-Stadt)
- Helga Trüpel (KV Bremen-Mitte)
- Lino Klevesath (KV Göttingen)
- Ute Lefelmann-Petersen (KV Plön)
- Heidi Rohrlack (KV Augsburg-Stadt)
- Michael Wustmann (KV Berlin-Mitte)
- Tobias Flessenkemper (KV Düsseldorf)
- Sylvia Gründig (KV Konstanz)
- Rainer Lagemann (KV Steinfurt)
- Kerstin Müller (KV Berlin-Pankow)
- Andrej Ferdinand Novak (KV Forchheim)
- Hans-Joachim Herholz (KV Bochum)
- Reiner Daams (KV Solingen)
- Björn Bühring (KV Göttingen)
- Susann Worschech (KV Berlin-Neukölln)
- Sergej Sumlenny (KV Berlin-Charlottenburg/Wilmersdorf)
- Felix Bohnacker (KV Bodenseekreis)
- Uwe Lehmann (KV Berlin-Pankow)
- Volker Beck (KV Köln)
- Marcel Gauger (KV Ludwigsburg)
- Rüdiger Warnecke (KV Rhein-Erft-Kreis)
- Tilmann Holzer (KV Berlin-Mitte)
- Ulrich Martin Drescher (KV Waldshut)
- Gerhard Sauer (KV Uckermark)
- Anne-Katrin Frieberg (KV Vorpommern-Greifswald)
- Christian Sandau (KV Berlin-Tempelhof/Schöneberg)

Kommentare
Kerstin Müller:
Edith Müller:
Sonja-Adelheid Schreiner:
Sonja A. Schreiner, KV Stezeh in Berlin
Klaudia Maria Hanisch:
Klaudia Hanisch, KV Göttingen
Susann Worschech:
Hans-Joachim Herholz:
Uwe Lehmann:
Jetzt bleibt der naiv-ideelle Antrag A2 von Karl-Wilhelm Koch als einziger und der wird wohl angenommen. Damit sind Bündnisgrüne auf Kurs der SPD und voll auf Russlandkurs (neue europäische Ordnung debattieren, Sorgen Russlands vor der NATO berücksichtigen, Ukraine und Russland gleichsetzen). Wo kann das wieder korrigiert werden? Das wird für mich kein guter Parteitag.
Hans-Joachim Herholz:
Steffen Dobbert:
Fragen bleiben:
Wie und durch wen wurde "deutlich gemacht", dass der BuVo den Antrag ablehnen würde?
Warum wurden die MitunterzeichnerInnen nicht rechtzeitig über den Rückzieher informiert, damit sie ggf. den Antrag selbst hätten einbringen können?
Weshalb wurde der Antrag ursprünglich formuliert - ging es um die Sache oder um Anderes?
Ein wichtiger Grund, mich parteipolitisch bei den Bündnisgrünen zu engagieren, lag in der am Völkerrecht orientierten Außenpolitik. Der Vorgang des Zurückziehens des Antrags erschüttert mich nun sehr. Ohne Debatte kein Fortschritt und ohne (unterschiedliche) Standpunkte keine Debatte. Wenn ein Parteitag dies unterdrücken möchte, fehlt mir jegliches Verständnis.