| Veranstaltung: | 52. Bundesdelegiertenkonferenz Berlin |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | V TOP 10 - Verschiedenes (1/2) |
| Antragsteller*in: | Liliane Viola Pollmann (Pixelgrüne e.V.) und 111 weitere Antragsteller*innen (Frauenanteil: 41%) |
| Status: | Eingereicht (geprüft, unveröffentlicht) |
| Eingereicht: | 03.10.2026, 18:43 |
V-03: Stop Killing Games: Schutz von digitalen Spielen und Inhalten durch digitales Eigentum
Antragstext
Wir setzen uns dafür ein, dass wir bei digitalen Videospielen (Games) und deren
Inhalten weg von Lizenzmodellen und hin zu geeintem, digitalem Eigentum kommen.
Wir schützen Games als Kulturgut: Die Lebenswelten von Gamer*innen dürfen nicht
einfach durch Serverabschaltungen ausgelöscht und unzugänglich gemacht werden.
Im Kampf um diese Fragen unterstützen wir die Initiative „Stop Killing Games“,
in der sich Gamer*innen weltweit engagieren.
Denn unsere Welt wird unausweichlich digitaler. Während heutzutage schon viele
PCs keine Laufwerke mehr haben, werden auch die kommenden Konsolengenerationen
vermutlich keine physischen Datenträger mehr haben. Gaming-Communities weltweit
machen sich zunehmend Sorgen um willkürliche Abschaltungen von Zugängen zu den
Inhalten, die sie gekauft haben. Die plötzlichen, frühen Serverabschaltungen von
“The Crew” sorgten für weitreichendes Entsetzen und waren der Auslöser für die
Gründung der ersten globalen gamespolitischen Bewegung „Stop Killing Games”, die
weltweit viel Zuspruch und Rückenwind gefunden hat.
Bündnis90/Die Grünen erkennen die Bedeutung dieser Fragen an und stellen sich an
die Seite der Gamer*innen, die um die von ihnen gekauften Inhalte und damit
verbundenen Erinnerungen schützen.
Für Games ermöglichen, was andere Medien schon können: Weg
von Lizenzen, hin zu digitalem Eigentum
Wir setzen uns dafür ein, digitale Spiele und deren Inhalte von
plattformgebundenen Lizenzsystemen zu lösen und stattdessen digitales,
übertragbares, plattformunabhängiges Eigentum bzw. temporären oder
geteilten Besitz (bei Abo, Verleih, Family-Sharing, private Leihe…)
technisch wie regulatorisch zu ermöglichen.Publisher werden nicht dazu verpflichtet, ihre Games anders zu
vertreiben (z.B. keine Pflicht zur Interoperabilität,
Plattformübertragbarkeit), sollen aber niedrigschwellige
Möglichkeiten dazu bekommen. Die Entscheidungsmacht fließt zunehmend
von den Plattformen wie Steam zu den Publishern bzw.
Entwickler*innen selbst.Games im Eigentum oder Besitz sollen nicht von Plattform oder
Publisher/Entwickler*innen entzogen werden dürfen bzw. müssen
nutzbar bleiben, sofern es kein moderativer Eingriff (z.B. toxisches
oder gefährliches Kommunikationsverhalten, Hacking) für ein Online-
Spiel ist.Privates Verleihen bzw. Verleih durch Bibliotheken sollte explizit
ermöglicht werden (siehe Virtual Game Card Lending, Nintendo
Switch). Ob und in welcher Form digitale Spiele und deren Inhalte
weiter verkaufbar sein sollen, müsste behandelt werden, sobald sich
Gamesbranche auf ein System für digitales Eigentum geeinigt hat.Gamer*nnen und die Gamesbranche bringen verschiedene Kompetenzen und
Perspektiven mit, die den Prozess zur Ausarbeitung von digitalem
Eigentum zu einem Leuchtturmprojekt für andere Medien wie Film,
Musik und Bücher machen können.
Anschluss an die weltweite Bewegung Stop Killing Games:
Gamer*innen dabei unterstützen, ihre Games zu behalten und
weiterspielen zu können
Wir wollen das erfolgreiche Transparenzgesetz aus Kalifornien für den
deutsch-europäischen Markt adaptieren. In Kalifornien ist bereits ein
Gesetz für digitale Käufe geschaffen, wodurch Konsument*innen ein
Klagerecht bekommen, wenn digitale Plattformen wie Steam irreführend oder
nicht transparent genug kommunizieren, dass nur jederzeit widerrufbare
Lizenzen verkauft werden.
Wir setzen uns dafür ein, Lösungen für sogenannte End-of-Life-Pläne zu
finden, also jene Pläne, die bei Serverabschaltungen eintreten, die
dauerhaftes Offline-Spielen bei Singleplayer-Spielen bzw. self-hosted oder
lokale Server bei Multiplayer-Spielen ermöglichen.
Als die Europäische Kommission im Juni 2026 als Antwort auf die EBI Stop
Destroying Videogames bekannt gegeben hat, dass sie keine gesetzliche
Verpflichtung für Spielehersteller einführen wird, digitale Videospiele
nach dem Ende ihres kommerziellen Supports dauerhaft spielbar zu halten,
ist viel Vertrauen innerhalb der Gaming-Communities verloren gegangen. Die
Antwort ergab sich vermutlich durch zu enge und einseitige Absprachen mit
Interessensvertretungen großer Publisher. Wir nehmen den Auftrag an, das
Vertrauen wieder herzustellen und unterstützen als Bündnis90/Die Grünen
die Anliegen der Initiative Stop Killing Games bzw. die EBI Stop
Destroying Videogames.
Der Bundesvorstand wird dazu aufgefordert, dieses Thema und folgerichtig
auch die Perspektiven von Gamer*innen in der Öffentlichkeitsarbeit
aufzugreifen.
Games als Kulturgut schützen und zivilgesellschaftliche
Nutzung ermöglichen
Wir achten im Prozess um digitales Eigentum auf die Perspektiven aus der
Spielforschung (Game Studies), insbesondere auch die Konservierung von
digitalen Spielen inklusive des Zugangs zu bestimmten Versionen von
Spielen zu Forschungszwecken, akademischer und musealer Nutzung.
Die gesellschaftlichen Potentiale von digitalen Spielen erkennen wir an
und achten insbesondere darauf, dass durch die Transformation ins Digital-
Only dritte Orte wie Gaming-Spaces in Bibliotheken und das Ausleihen von
digitalen Spielen und Inhalten erhalten bleiben.
Die Nutzung von Games in öffentlichen Einrichtungen und Organisationen
(z.B. Gaming-Hubs in Schulen oder Hochschulen) wurde durch
privatkontengebundene Digital-Only-Modelle schwerer einzurichten als das
Einkaufen und Verteilen von physischen Datenträgern, daher achten wir bei
der Gestaltung von digitalem Eigentum von Spielen auch auf den Hintergrund
des Einsatzes in diesen Organisationen.
Einfache Sprache
Schutz von digitalen Spielen
Wir wollen digitales Eigentum für Spiele. Spiele sollen nicht nur geliehen sein.
Gamer und Gamerinnen sollen ihre Spiele behalten. Serverabschaltungen sollen
Spiele nicht löschen. Wir unterstützen die Bewegung Stop Killing Games.
Warum digitales Eigentum wichtig ist
Viele Computer haben keine Laufwerke mehr. Spiele kommen ohne Datenträger. Gamer
sorgen sich um ihre gekauften Spiele. Serverabschaltungen machen Spiele
unspielbar. Stop Killing Games kämpft dagegen.
Was wir fordern
Spiele sollen nicht an eine Plattform gebunden sein. Spiele sollen übertragbar
sein. Publisher sollen Spiele besser verteilen können. Spiele dürfen nicht
einfach gelöscht werden. Verleihen von Spielen soll erlaubt sein.
Spiele sollen auch von Bibliotheken verliehen werden. Der Weiterverkauf von
Spielen soll später geregelt werden. Gamer und Spielebranche arbeiten zusammen.
Das soll auch für Filme, Musik und Bücher gelten.
Unterstützung für Gamer und Gamerinnen
Wir wollen ein Gesetz wie in Kalifornien. Das Gesetz schützt Käufer von
digitalen Spielen. Käufer bekommen ein Klagerecht bei Problemen. Wir wollen
Pläne gegen Serverabschaltungen. So kann man Spiele auch offline spielen.
Die Europäische Kommission sagt nein zu einem Gesetz für Spielehersteller. Das
Gesetz sollte Spiele nach dem Verkauf spielbar halten. Viele Spieler und
Spielerinnen sind enttäuscht. Die Kommission hat mit großen Firmen gesprochen.
Wir wollen das Vertrauen wieder aufbauen.
Wir unterstützen die Gruppe Stop Killing Games. Wir wollen, dass Spiele besser
geschützt werden. Der Bundesvorstand soll das Thema bekannt machen. Er soll auch
die Meinung von Spielern und Spielerinnen zeigen.
Spiele als Kulturgut
Wir achten auf die Forschung zu Spielen. Spiele sollen für Forschung und Museen
zugänglich bleiben. Wir finden Spiele wichtig für die Gesellschaft. Digitale
Spiele sollen in Bibliotheken und anderen Orten bleiben. Das Ausleihen von
Spielen soll weiter möglich sein.
Spiele in Schulen und Hochschulen sind wichtig. Digitale Spiele sind schwerer zu
nutzen als Spiele auf Datenträgern. Wir wollen, dass digitale Spiele in Schulen
und anderen Orten gut nutzbar sind.
Begründung:
Dieser Antrag fordert Hilfe für Gamer und Gamerinnen. Das ist das wichtigste
politische Thema für sie. Es gibt eine große Bewegung von Gamer und Gamerinnen
weltweit.
Die Bewegung heißt Stop Killing Games. Sie hat 1,3 Millionen Unterschriften in
der EU gesammelt. Diese Unterschriften sind für eine Europäische Bürger-
Initiative.
Viele Gamer und Gamerinnen kennen die Initiative. Sie finden das Thema wichtig.
Auch unser Verein sagt, digitales Eigentum ist sehr wichtig.
Fast jede zweite Person in Deutschland spielt Videospiele. Diese Menschen haben
ein Problem. Sie besitzen die Spiele nicht wirklich.
Die EU-Kommission hat die Initiative abgelehnt. Die Kommission hat viele
konservative Mitglieder. Das hat das Vertrauen in Parteien und Politik
geschwächt.
Wir wollen das Vertrauen wieder aufbauen. Wir wollen die politische Chance
nutzen. Das Thema betrifft nicht nur Spiele, sondern alle digitalen Produkte.
Viel Software kauft man nicht mehr. Man kauft oder mietet nur noch Lizenzen. Das
ist ein Problem für die meisten digitalen Produkte.
Spiele sind ein gutes Beispiel für digitale Produkte. Andere Branchen können
sich daran orientieren. Das macht das Thema wichtig für viele Bereiche.
Niklas Nienaß war Europa-Abgeordneter. Er hat sich 2022 für die Initiative
eingesetzt. Das war am Anfang der Bewegung.
Sein Einsatz wurde in unserer Partei nicht bekannt. Das ist schade. Gamer und
Gamerinnen sind politisch sehr aktiv.
Studien zeigen, dass Gamer und Gamerinnen Demokratie wichtig finden. Das Thema
hat großes Potenzial, viele zu mobilisieren. Gamer und Gamerinnen werden
politisch wichtiger.
Wir sind besorgt. Konservative und rechtsextreme Gruppen wollen das Thema für
sich nutzen. Sie wollen die politische Arbeit und die Geschichten zu dem Thema
bestimmen.
Begründung
Stop Killing Games ist kein Nischenthema. Fast jede zweite Person in Deutschland spielt zumindest gelegentlich Videospiele. Alle diese Menschen sind potenziell betroffen.
Niklas Nienaß, unser ehemaliger MdEP hatte sich bereits 2022, als einer der ersten Europa-Abgeordneten für sie eingesetzt.
