| Veranstaltung: | 52. Bundesdelegiertenkonferenz Berlin |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | V TOP 10 - Verschiedenes (1/2) |
| Antragsteller*in: | BAG Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (dort beschlossen am: 08.10.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 21:06 |
V-28: Aus der Dürre lernen – Wasser sichern, Landwirtschaft schützen, Klimaresilienz stärken
Antragstext
Wasser ist die Grundlage allen Lebens – ganz besonders unserer Landwirtschaft
und unserer Ernährung. 2026 hat deutlich gemacht, wie verletzlich unsere
Landwirtschaft gegenüber häufiger und extremer Dürre in Zeiten der Klimakrise
ist: Ernteausfälle, Futtermangel, Lieferengpässe für Futter, Ernten und Dünger
wegen Niedrigständen der Flüsse. Die Folgen sind Ertragseinbußen, Unsicherheit
auf den Betrieben, zunehmender Bewässerungsbedarf und wachsende Konflikte um das
knappe Wasser.
Die Antwort kann nicht sein, immer mehr Wasser aus Grund- und
Oberflächengewässern zu entnehmen. Wir müssen unsere Landschaft so gestalten,
dass sie Wasser länger halten kann: weg von einer durch
Entwässerungseinrichtungen geprägten Landschaft zu einer Schwammlandschaft.
Landwirtschaft kann dabei ein wichtiger Teil der Lösung sein: Humusreiche Böden,
vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Hecken, Agroforst sowie renaturierte
Moore und Auen helfen, Wasser zu speichern und Trockenperioden besser zu
überstehen.
Wasser in der Landschaft halten. Deutschland muss sich zu einer
Schwammlandschaft entwickeln. Lebendige Böden, Feuchtflächen, renaturierte
Moore, Auen und strukturreiche Agrarlandschaften können mehr Wasser bei
Niederschlägen aufnehmen und während Trockenperioden abgeben. Entwässerungs-
Infrastruktur wie Drainagen und Gräben sind zurück- und umzubauen. Auch die
Wälder spielen eine wichtige Rolle – speichern sie doch Wasser und geben es
langsam ab.
Bewässerung effizient und nachhaltig gestalten. Bewässerung wird in vielen
Regionen wichtiger, darf aber nicht zur Übernutzung von Grund- und
Oberflächenwasser führen. Wasserentnahmen müssen sich am verfügbaren
Wasserangebot orientieren, transparent erfasst und effiziente
Bewässerungstechniken priorisiert werden.
Ökolandbau fördern. Der Ökolandbau kommt ohne fossilen Dünger und Pestizide aus
und erhält eine gesunde Bodenstruktur, die positiv für Erosionsschutz und
Grundwasserneubildung ist. Das Ziel, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten
Fläche in Deutschland bis 2030 auf 30% zu steigern, muss vehement verfolgt
werden.
Wasserverschmutzung reduzieren. Trinkwasser wird immer kostbarer. Wir können es
uns nicht leisten, es mit Pestiziden, PFAS und Nitrat zu verunreinigen. Die EU-
Nitratrichtlinie muss Deutschland endlich umsetzen. Die Verunreinigung des
Trinkwassers nachträglich durch Beimischung von unbelastetem Wasser
auszugleichen, verbraucht viel Wasser, verursacht hohe Kosten und ist sozial
ungerecht.
Reduktion des Imports von virtuellem Wasser. Wasserknappheit ist in vielen
Ländern dieser Welt eklatanter als in Deutschland; oftmals herrscht dort Hunger
und Mangelernährung. Wir importieren Lebensmittel, zu deren Produktion vor Ort
viel Wasser genutzt wird, das nicht der lokalen Bevölkerung zur Verfügung steht.
Dagegen erarbeiten wir eine Strategie zur Reduktion des Imports virtuellen
Wassers.
Einfache Sprache
Hier ist der Text in leichter Sprache:
Wasser ist wichtig für uns alle. Wasser ist die Grundlage für alles Leben.
Besonders die Landwirtschaft braucht Wasser für unsere Lebensmittel. Im Jahr
2026 gab es große Probleme: Es gab zu wenig Regen und die Flüsse waren zu
niedrig. Das führte zu weniger Ernten und Problemen beim Transport von Futter
und Dünger. Wenn Wasser knapp wird, gibt es oft Streit darüber, wer es nutzen
darf.
Die Lösung: Eine Schwammlandschaft
Wir dürfen nicht einfach immer mehr Wasser aus der Erde oder aus Flüssen holen.
Stattdessen müssen wir die Natur so verändern, dass sie Wasser wie ein Schwamm
speichern kann. Das hilft gegen Trockenheit. Das geht so:
- Gesunde Böden: Mehr Humus und ökologischer Landbau helfen, Wasser zu
speichern.
- Mehr Natur: Hecken, Bäume auf den Feldern (Agroforst) und renaturierte Moore
und Auen halten das Wasser fest.
- Umbau: Alte Gräben und Rohre, die das Wasser schnell ableiten, sollen
zurückgebaut werden.
Unsere Forderungen für die Politik
Wir wollen, dass der Schutz des Wassers das wichtigste Ziel in der Agrarpolitik
wird. Dazu gehören diese Punkte:
- Gerechte Verteilung: Es muss klare Regeln geben, wer bei Trockenheit zuerst
Wasser bekommt. Trinkwasser und die Lebensmittel-Produktion sind am wichtigsten.
- Unterstützung für Bauern: Landwirt*innen, die Wasser auf ihren Feldern
speichern, sollen dafür Geld bekommen.
- Weniger Gift: Wir müssen das Trinkwasser schützen. Pestizide und Nitrat dürfen
nicht ins Wasser gelangen.
- Weltweite Verantwortung: Wir wollen weniger Lebensmittel importieren, für
deren Herstellung in armen Ländern zu viel Wasser verbraucht wird.
- Öko-Ziel: Bis 2030 sollen 30 % der Flächen in Deutschland ökologisch
bewirtschaftet werden.
Begründung
Die Klimakrise verändert die Produktionsbedingungen der Landwirtschaft. Häufigere und längere Dürren treffen immer mehr Betriebe. Gleichzeitig können ausgetrocknete oder verdichtete Böden während Starkregen Wasser nicht ausreichend aufnehmen. Dadurch verschärfen sich Dürre, Erosion und Hochwasserrisiken gleichzeitig.
Die zentrale Antwort muss sein, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Dabei geht es nicht darum, Landwirtschaft gegen Naturschutz auszuspielen. Im Gegenteil: Eine Landwirtschaft, die Wasser in der Landschaft hält, schützt ihre eigene Produktionsgrundlage.
Dafür braucht es politische und finanzielle Rahmenbedingungen. Wasserrückhalt, Bodengesundheit und klimaresiliente Systeme sind Leistungen, von denen die gesamte Gesellschaft profitiert. Sie müssen deshalb als öffentliche Leistungen anerkannt und vergütet werden.
Wer heute Wasser in der Landschaft hält, sichert die Ernte von morgen.
