| Veranstaltung: | 52. Bundesdelegiertenkonferenz Berlin |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | V TOP 10 - Verschiedenes (1/2) |
| Antragsteller*in: | Stefanie Gutscher (KV Ennepe-Ruhr) und 93 weitere Antragsteller*innen (Frauenanteil: 63%) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 08.10.2026, 16:36 |
V-26: Kein Kind darf im Hilfesystem verloren gehen Psychische Gesundheit stärken, Versorgungslücken schließen, Bildungswege sichern
Antragstext
Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist
weiterhin hoch. Laut dem Deutschen Schulbarometer 2025/26 der Robert Bosch
Stiftung zeigt etwa ein Viertel der 8- bis 17-Jährigen Hinweise auf psychische
Auffälligkeiten oder liegt im entsprechenden Grenzbereich. Besonders betroffen
sind Kinder aus einkommensschwachen Familien. Auch die COPSY-Studie des
Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass sich die psychische
Gesundheit junger Menschen gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie noch nicht
vollständig erholt hat.
Doch zwischen dem ersten Erkennen psychischer Belastungen und dem Beginn einer
geeigneten Behandlung liegen häufig Monate. Betroffene Familien müssen
zahlreiche Praxen kontaktieren, Wartelisten durchlaufen und sich zwischen
unterschiedlichen Zuständigkeiten zurechtfinden. Selbst nach einer
psychotherapeutischen Ersteinschätzung ist eine zeitnahe Weiterbehandlung nicht
gewährleistet.
Insbesondere während längerer Wartezeiten müssen Kinder, Jugendliche und
Familien auf geeignete Unterstützung zurückgreifen können. Bei komplexem
Hilfebedarf sind bestehende Instrumente der Hilfeplanung und Koordination
wirksamer zu nutzen und angemessen auszustatten. Psychosoziale Unterstützung
darf eine notwendige psychotherapeutische Behandlung nicht ersetzen.
Bereits die Vereinbarung eines psychotherapeutischen Erstgesprächs kann mit
langen Wartezeiten und organisatorischen Hürden verbunden sein. Auch nach einer
Ersteinschätzung ist der zeitnahe Beginn einer notwendigen Therapie nicht
gewährleistet. Für berufstätige Eltern, Alleinerziehende und Familien mit
geringen finanziellen oder zeitlichen Ressourcen bedeutet die Suche nach
Unterstützung häufig eine zusätzliche Belastung.
Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung ist ein zuvor etablierter Zugang
aus sozialpädagogischen und verwandten Studiengängen zur Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapie weitgehend entfallen. Es sollte geprüft werden, ob
zusätzliche, qualitätsgesicherte Qualifizierungswege einen Beitrag zur
Fachkräftesicherung leisten können.
Einfache Sprache
Viele Kinder und Jugendliche haben psychische Probleme.
Sie brauchen dann schnell passende Hilfe.
Aber oft müssen Familien lange auf einen Therapieplatz warten. Manchmal ist es
schon schwierig, überhaupt einen ersten Termin zu bekommen. Deshalb wollen wir,
dass Kinder und Jugendliche schneller die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Es muss genug Therapieplätze und gut ausgebildete Fachkräfte geben. Deshalb
wollen wir die Ausbildung und Weiterbildung von Psychotherapeut*innen stärken.
Wir wollen auch prüfen, ob Sozialpädagog*innen und Sozialarbeiter*innen wieder
einen qualifizierten Weg in die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bekommen
können. Die Qualität der Ausbildung muss dabei gesichert bleiben.
Auch Schulen und der Ganztag brauchen mehr Unterstützung. Schulsozialarbeit,
Schulpsychologie, Jugendhilfe und das Gesundheitssystem sollen besser
zusammenarbeiten.
Wenn Kinder und Jugendliche wegen einer psychischen Erkrankung lange oder immer
wieder in der Schule fehlen, darf das nicht ihre ganze Bildung gefährden. Sie
brauchen passende Unterstützung, flexible Möglichkeiten zum Lernen und Hilfe bei
der Rückkehr in die Schule.
Unser Ziel ist:
Kein Kind und kein junger Mensch soll verloren gehen, weil notwendige Hilfe zu
spät kommt.
